GESTALT ZEITUNG 2010 - 23. Ausgabe
| Inhaltsverzeichnis | ||
| Delphine Akoun | Editorial | |
| Ulrich Lessin | Mit uns die Sintflut - - Einladung zur Bewusstheit im globalen Feld | |
| Prof. Dr. Drechsel | Mein Paradies machen müssen? - der Mythos vom gelingenden Leben als heimliches Leitbild unserer Gegenwart | |
| Detlef Klöckner | Apokalyptische Familienentwicklungen – AIDS und Kinderlosigkeit als Quellen sozialer Umbrüche | |
| Rolf Heinzmann | Psychotherapie und Neurobiologie | |
| Till Briegleb | Wir Dilettanten - © Süddeutsche Zeitung GmbH, München. Mit freundlicher Genehmigung von www.sz-content.de (Süddeutsche Zeitung Content) | |
| Rolf Heinzmann | Ethik und Gestalttherapie | |
| Jan-Erik Grebe | Statt eines Titels: Improvisationstheater – eine Aufforderung zum Spiel | |
| GIF | Veranstaltungen 2010 | |
| Julia Martens | Der Einfluss von Gestalttherapie auf das Wohlbefinden | |
Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser,
die 23. Ausgabe der GESTALT ZEITUNG liegt Ihnen hier vor, zum ersten Mal und pilotweise in elektronischer Form.
Wir haben ein bewegtes Jahr hinter uns:
2009 wurde das GIF 30 Jahre alt. Mit diesem Geburtstag verbunden, haben wir die sehr anregende Tagung „Apokalypso – Weltuntergänge und Paradiese“ gemeinsam mit unserem Dachverband, der DVG, in Frankfurt veranstaltet.
Frau Lierschaft, die Frau Bergmann eine Zeit im Sekretariat zur Seite stand, ist wieder gegangen. Es hat sich doch als unökonomisch erwiesen, die Sekretariatsaufgaben auf zwei Mitarbeiterinnen zu verteilen.
Ulrich Lessin gibt seinen Part der Geschäftsführung nach fast 7 Jahren in ein paar Tagen an Rolf Heinzmann ab. Wir danken Ulrich ganz herzlich für sein umfassendes und zuverlässiges geschäftsführendes Engagement, das uns das GIF-Leben sehr leicht gemacht hat.
Wir sind zudem seit einigen Monaten intensiv mit den Themen ‚innere Strukturveränderung’ und ‚Nachwuchs’ befasst.
Im Zuge dessen wird, wie kürzlich in unserem Rundbrief angekündigt, unser Newsletter in Januar erscheinen, der Sie alle drei Monate über unsere Veranstaltungen und alles, was uns sonst noch erwähnenswert erscheint, informieren wird.
An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal bei allen bedanken, die mir die Fragebögen zur Gestaltzeitung zurückgeschickt haben. Ich erhielt zwar nur rund 50 Antworten. Sie enthielten aber meist sehr konstruktive Vorschläge zum Inhalt und zur Form der Zeitung, die wir zum Teil bereits in dieser Ausgabe beherzigt haben:
Wir sollten mehr aus der Praxis berichten und bei den Ehemaligen nachhören, was aus ihnen geworden ist (s. u. Interview), mehr schulübergreifende und diesbezüglich aktuelle Beiträge ‚bringen’ (s. u. Neurobiologie und Psychotherapie), die FortbildungsteilnehmerInnen mehr zur Sprache kommen lassen (s. u. Gestaltherapie und Improtheater), die politische Haltung des Instituts und der Gestalttherapie insgesamt mehr thematisieren (s. u. Schwerpunktthema).
Die Frage nach einer Online-Gestaltzeitung wurde in den Fragebögen sehr kontrovers beantwortet - von: „Ich lese die GZ nicht mehr, wenn sie online erscheint!“, bis hin zu: „Wunderbar! Papierersparnis! Ökologisch denken!“ über: „Ich halte das Heft so gerne in der Hand, aber wenn es sein muss ...“, waren ziemlich alle denkbaren Zwischenstufen vertreten. Angesicht dessen haben wir entschieden, ein Pilot-Projekt aus der Zeitung zu machen, das unserem Themenschwerpunkt entspricht:
Anlässlich der Tagung im letzten Juni haben wir in dieser Ausgabe einen Schwerpunkt zu dem Thema „Apokalypsen unserer Zeit und Umgangsoptionen damit“ gebildet. Dies geschieht nicht zuletzt aus dem Eindruck heraus, die Frage nach dem gesellschaftlichen Engagement der Gestalttherapie in den letzten Jahren etwas aus den Augen verloren zu haben.
Sie lesen hier zunächst den Eröffnungsvortrag „Mit uns die Sintflut - Einladung zur Bewusstheit im globalen Feld“ von Ulrich Lessin, der ausgehend von der Geschichte apokalyptischer Vorstellungen die Frage nach einer angemessenen und politischen Haltung in dieser unserer gefährdeten globalen Welt nachgeht.
Prof. Dr. Drechsel setzt sich in seinem Text „Mein Paradies machen müssen? - der Mythos vom gelingenden Leben als heimliches Leitbild unserer Gegenwart“ mit der aus seiner Sicht immer selbstverständlicher gesellschaftlich geltenden Prämisse auseinander, nach der jedeR für das Gelingen seines individuellen Lebens verantwortlich ist und es auch bewerkstelligen kann. Sein Text befasst sich mit den gesellschaftlichen Konsequenzen dieser Prämisse, dieses Mythos. Er wirft einige wichtige Fragen für uns GestalttherapeutInnen auf.
Detlef Klöckner entwirft in seinem Text „Apokalytische Familienentwicklungen – AIDS und Kinderlosigkeit als Quellen sozialer Umbrüche“ die gewagte Idee einer Doppellösung zweier sehr unterschiedlicher Probleme: der AIDS-Pandemie-Katastrophe in Afrika und der zurückgehenden Geburtenraten in Deutschland. Nachdem er beide Themen skizziert, zieht der Autor seine politisch-visionäre Schlussfolgerung: kinderlose deutsche Ehepaare adoptieren hierzulande afrikanische Kinder an Aids erkrankter Eltern im großen Maßstab.
Rolf Heinzmann nähert sich einem für viele von uns noch fremden Gebiet: der Neurobiologie. Er widmet sich in seinem Artikel „Psychotherapie und Neurobiologie“ dem Zusammenhang zwischen dieser wohl momentan erfolgsreichsten Wissenschaft und der Psychotherapie, insbesondere der Gestalttherapie. Er zeigt, inwiefern die Ergebnisse der Neurobiologie die Grundannahmen der Gestalttherapie bestätigen und wie sich damit beide Disziplinen befruchten.
Mehrere Autoren dieser Ausgabe bewegen sich also im Grunde auch auf fachfremdem Gebiet. Sie schauen über den Tellerrand der Gestalttherapie hinaus und argumentieren „nur“ aus ihrer persönlichen, auch gestalttherapeutisch geprägten, Haltung heraus. Damit beweisen sie sich als Dilettanten, und somit als genau die Menschen, die wir heutzutage dringend brauchen, wie Till Briegleb in seinem Artikel „Wir Dilettanten“ anregend vertritt. Ob wir nun „ernsthafte“ und damit hilfreiche Dilettanten gefunden haben, können Sie beurteilen.
Als GestalttherapeutInnen und als ‚FortbildnerInnen’ sind wir stets mit dem Thema Ethik befasst. Damit beschäftigt sich auch Rolf Heinzmann, Mitglied der Ethik-Kommission unseres Dachverbandes (DVG), in seinem Text „Ethik und Gestalttherapie“. Dieser Text erläutert, wie der Autor Ethische Richtlinien auffasst und kann als Plädoyer für eine offene und transparente Kommunikation aller Akteure, nicht zuletzt über die Rechte und Pflichten, die die Richtlinien vereinen, gelesen werden.
Zuletzt bringt Jan-Erik Grebe, Fortbildungsteilnehmer am GIF, die Gestalt mit Improtheater zusammen. Er beschreibt in seiner Abschlussarbeit „Gestalt und Improtheater“, wie sich beide von deren ‚verwandtschaftlichen’ Beziehungen her und für ihn persönlich wunderbar ergänzen.
Im Januar werden wir voraussichtlich einmal einen Artikel aufnehmen, der das Ergebnis einer Forschungsarbeit über die Auswirkung einer Gestalttherapie-Fortbildung auf das Lebensgefühl zusammenfasst – wir dürfen gespannt sein! -, und zum anderen ein Interview mit einer ehemaligen Fortbildungsteilnehmerin am GIF. Sie wird von ihren Anfängen als Gestalttherapeutin erzählen und von dem, was es vor dem Hintergrund ihrer 13-jährigen Erfahrung zu beachten gilt, um erfolgreich „selbständigeR GestalttherapeutIn“ heutzutage zu werden. Sie werden über das Erscheinen der beiden Beiträge über den Newsletter informiert.
Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldungen zur Zeitung und Ihre Leserbriefe zu einzelnen Beiträgen, die jetzt zeitnah hier in der Zeitung (und nicht im Newsletter wie im letzten Rundbrief fälschlicherweise angekündigt) erscheinen können!
Und nun wünsche ich Ihnen eine anregende Lektüre und natürlich auch einen leichten Jahreswechsel in einem neuen Jahr voller wegweisender Überraschungen, Ruhe stiftender Routine und kleiner, feiner, schöner Augenblicke
Delphine Akoun für die Redaktion der GESTALT ZEITUNG